Dr Günter Nöll
Wie ich mich selbst sehe:
Ich bin ein Relikt jener Epoche, in der humanistische Bildung noch einen respektablen Stellenwert hatte: die griechische und römische Antike haben meine Weltsicht in vielfacher Hinsicht geprägt.
Trotzdem – oder gerade deshalb? – habe ich Physik studiert. Der naturwissenschaftliche Denkansatz hat mich seither immer begleitet, wenngleich ich immer auch offen war für diametral entgegengesetzte Weltanschauungen – jene des fernen Ostens beispielsweise. Ich konnte mich allerdings nicht in die seinerzeit gerade modische Elementarteilchen-Physik verlieben, vielmehr galt mein Interesse mehr exotischen Bereichen wie etwa der Akustik oder der Didaktik der Physik sowie der Pädagogik, dann der Psychologie allgemein.
Schließlich zog mich die Wissenschaft vom Leben in ihren Bann, die Biologie: ich promovierte in Bio-Physik, um mich schließlich vollends zwischen alle Stühle zu setzen: ich ging an das Max-Planck-Institut für Bio-Chemie in Martinsried bei München, um dort über biologische Membranen zu arbeiten, wie sie etwa auch alle unsere Körperzellen umgeben und abgrenzen.
Doch nach Jahren der Grundlagenforschung hängte ich diese an den Nagel: ich ging zum „Film“ – genauer zum (natur-/populärwissenschaftlichen) Dokumentarfilm, obwohl ich mich später auch historischen und kunsthistorischen, sozialen sowie zeitgeschichtlich/politischen Themen widmete. Hier konnte ich nun endlich auch meiner künstlerischen Ader Ausdruck verleihen. Dass dieser Schritt richtig war, bestätigten mir auch die vielen internationalen ersten Preise, die ich auf Festivals für meine Filme bekam.
Vor gut 15 Jahren erschütterte allerdings der französische Ethno-Botaniker Francois Couplan mein bisheriges Weltbild in einem wesentlichen Punkt: er überzeugte mich davon, dass das vielgeschmähte „Unkraut“ (Wild-Pflanzen) nicht nur von den Inhaltsstoffen her unseren heutigen - daraus abgeleiteten - Zucht-Pflanzen (ähnliches gilt für die Tierwelt) haushoch überlegen ist, sondern zudem noch eine wahre Delikatesse darstellt mit inzwischen völlig unbekannt gewordenen Geschmacksrichtungen (wie dies inzwischen auch einige Star-Köche ganz klar erkannt haben). Damit war aber gleich auch eine weitere Leidenschaft entfacht: die Beschäftigung mit der Frage: „Wie sehr kollidieren unsere heutige Art der Ernährung (Industrie-Nahrung, Züchtung, Kommerz) sowie unser gesamter Lebensstil mit unserem biologischen Erbe, das sich im Laufe einer Jahrmillionen dauernden Evolution ausgeprägt hatte?“
Noch drei weitere Leidenschaften möchte ich hier erwähnen, die mich immer begleitet haben:
Klavierspielen, Malerei und Tanz – von meditativem Tanz bis zu Tango Argentino.
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