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Häuser mit Strohballendämmung


Edited by Dipl.Ing. Irmgard Brottrager | 29.03.2010
Strohballen werden zunehmend als Baustoff wiederentdeckt und erfreuen sich wachsender Beliebtheit. Sind Strohabfälle die Wärmedämmung der Zukunft?

Nicht nur für Liebhaber uriger und rustikal anmutender Architektur! Strohballen mausern sich langsam zu einem ganz normalen Dämmstoff mit beinahe unbegrenzten Éinsatzmöglichkeiten. Für traditionell verputzte Strohhäuser ist die buckelige, unebene Oberfläche charakteristisch, die sich ergibt, wenn unregelmäßige Strohballen direkt vom Bauern bezogen werden. Inzwischen gibt es jedoch auch normierte und bauphysikalisch geprüfte Ballen am Markt, die sogar für "Passivhäuser" geeignet sind, also exzellente Wärmedämmwerte aufweisen. Bereits 1999 startete in Österreich die erste Ausschreibung der Programmlinie "Haus der Zukunft", um zukunftsweisende Forschungsprojekte zu unterstützen. Basierend auf diesen Forschungsarbeiten entstand das sogenannte "S-House", ein Demonstrationsgebäude aus Stroh mit einem Jahresenergieverbrauch von nur 6 Kilowattstunden pro Quadratmeter. (Zum Vergleich: in konventionell gebauten Häusern gilt ein Verbrauch von 100 kWh/m2.a als normal. Bei einem Verbrauch von unter 15 kWh/m2.a spricht man von einem "Passivhaus".) Inzwischen arbeiten bereits Fertigteilfirmen an der Entwicklung strohgedämmter Bauelemente.

Die Strohballen lassen sich geradezu "konventionell" in Holzständerwände einbauen wie jeder andere Dämmstoff auch, entweder direkt auf der Baustelle oder witterungsabhängig in den Werkhallen des Zimmereibetriebes. Ob man sie außen verputzt, mit Holz oder einem anderen Fassadenmaterial verkleidet, ist Geschmacksache. Darüber hinaus können die Strohballen auch selbsttragend, d.h. ohne zusätzliche Holzrahmen eingesetzt werden, wie es bereits seit 1800 in Amerika und Kanada zuerst für Notunterkünfte praktiziert wurde. Mit dicken Großballen lassen sich sogar mehrgeschoßige Gebäude errichten. Die kleineren Standardballen werden gerne auch für Selbstbau-Häuschen verwendet, weil man sich relativ leicht heben und mit der Kettensäge zuschneiden kann. Wenn Passivhausstandard erreicht werden soll, empfiehlt es sich, auf der Außenseite eine winddichte, aber diffusionsoffene Schichte anzubringen. Dadurch wird die Wirkung der Wärmedämmung entscheidend verbessert.
Strohballen sind nicht tauwasseranfällig, wenn die Gesamtkonstruktion wasserdampfdurchlässig ist.
Auch die Gefahr, dass sich Tiere einnisten, ist nicht größer als bei Polystyrol. Loses Stroh ist sehr leicht entflammbar, die dicht gepressten Ballen jedoch werden als "normal brennbar" eingestuft und dürfen daher im Einfamilienhausbau eingesetzt werden.

Stroh ist der einzige Dämmstoff, der völlig unbehandelt verwendet werden kann. Auch der Materialpreis ist konkurrenzlos günstig. Schon jetzt können Strohballendämmungen preislich mit jeder anderen Dämmung mithalten, obwohl der Einbau noch relativ teuer ist, einfach aus dem Grund, weil das Material noch nicht in jeder Zimmerei verfügbar ist und die Handwerker noch nicht routiniert genug sind. Dies wird sich aber vermutlich ändern, denn immer mehr Holzbaufirmen nehmen Strohballendämmungen in ihr Programm auf. Man muss sich als Konsument/in die Ballen nicht mehr selbst organisieren, wie das noch vor ein paar Jahren der Fall war, sondern kann unter verschiedenen Anbietern auswählen.