Come to Iran!




Come to Iran!
Alles begann damit, dass mich vor ca. 1,5 Jahren ein Business-Consultant aus Teheran in Xing anschrieb und mit mir kontaktete. In mehr oder regelmäßigen Abständen blieben wir per Mail und Xing-Nachrichten in Verbindung. Er war an meinen Seminaren interessiert und somit waren die Themen, über die wir uns unterhielten, festgelegt.
Bis dann, Anfang Dezember, eine Mail bei mir ankam mit dem Betreff: Come to Iran. Wir hatten in den letzten Wochen oft darüber gesprochen, dass er nach Deutschland kommt bzw. ich den Iran besuchen werde. Und so ging ich davon aus, dass dies eine Fortsetzung unserer Reisekonversation ist. Aber: Weit gefehlt.
In seiner Funktion als Mit-Initiator der 1. International Conference on Participative Management & Suggestion System lud er mich ein, als Keynotespeaker an der Konferenz teilzunehmen. Ich musste nicht lange überlegen und bestätigte meine Teilnahme innerhalb einiger Stunden. Das Thema meines Vortrages sollte „Collaboration“ sein.
Als Freunde und Bekannte von meiner bevorstehenden Reise erfuhren, waren viele Reaktionen geprägt von Angst und Unsicherheit: „Wie kannst Du alleine in den Iran fliegen?“ „Wie gut kennst Du denn diesen Mann, der Dich eingeladen hat?“ „Wie ist seine Adresse? Seine Telefonnummer?“
Ich muss gestehen, ich selbst hatte von Anfang an keinerlei Bedenken – jetzt aber kamen mir doch so ein paar Zweifel. „Bin ich zu leichtgläubig? Mache ich das Richtige? Sollte ich mehr Bedenken haben?“ Doch diese Gedanken verwarf ich recht schnell wieder. Dies ist nicht meine Einstellung zum Leben. Bevor ich urteile, überzeuge ich mich gerne selbst von den Gegebenheiten. Und das tat ich dann am Abend des 19.12. als ich um 18.45 Uhr Richtung Teheran abflog.
Die Maschine war bis auf den letzten Platz besetzt. Nach einem ruhigen Flug landeten wir um ca. 2.45 Uhr am 20.12. in Teheran. Kurz nach der Landung bat der Kapitän dann in seiner Ansage alle Damen an Bord jetzt die Kopftücher aufzusetzen. Wir verließen die Maschine und ich machte mich auf den Weg zum Einreiseschalter – gemeinsam mit allen anderen. Dort stand ich dann ziemlich am Ende einer langen Schlange. Hadi hatte mir geschrieben, dass ein Visum für mich am Flughafen hinterlegt ist. Als ich endlich an der Reihe war und meinen Reisepass abgegeben hatte wurde ich gefragt: „Visa?“ Ich sagte, dass ein Visum für mich bereits hinterlegt sei. Dies führte zur nächsten Frage: „Visa?“ Erneut erklärte ich, dass ich eine Einladung habe, diese legte ich auch vor, und ein Visum für mich hinterlegt ist. „Visa?“ Ok, dieser Mann spricht kein Englisch und kann es auch nicht lesen. Also war meine einzige Möglichkeit zur Visa-Stelle zu gehen und dort die Angelegenheit zu klären.
Ich reichte dem Beamten meinen Reisepass und erklärte, dass ein Visum hinterlegt ist. „Visa?“ war die, mir mittlerweile bekannte, Antwort. Nicht schon wieder, dachte ich nur, und nicht morgens um 3.30 Uhr! Mittlerweile waren außer mir noch etliche andere Reisende ohne Visum angekommen und musste erkennen, dass ich ein Problem hatte. Nach einer Wartezeit von ca. ½ Stunde erhielt ich dann meinen Reisepass zurück mit der Aufforderung: „Receipt!“ Na gut, dann alles noch einmal von vorne. „Alle erforderlichen Unterlagen sind hier hinterlegt und auch bereits bezahlt.“ Wie Sie sich mittlerweile denken können – ohne Erfolg. Ich zahlte dann mein Visum und ging, nach knapp einer Stunde, zurück zum Einreiseschalter.
Hier war inzwischen eine neue Maschine angekommen und erneut stellte ich mich an das Ende der Schlange. Nun war ich gar nicht mehr so positiv eingestellt. Ob wohl mein „Abholer“ noch wartete? Wenn nicht, wie komme ich dann ins Hotel? Als ich meinen Koffer in Empfang genommen hatte und zum Ausgang ging, waren alle Bedenken auf einen Schlag verflogen. Dort standen zwei nette Männer mit einem großen Blumenstrauß und einem Schild auf dem stand: Mrs. Ulla Knoll. Ich war angekommen!
Die beiden waren sehr besorgt und entschuldigten sich tausendmal für alle Unannehmlichkeiten, die ich gehabt hatte (und an denen sie nun ja wirklich am wenigsten schuld waren); ich bekam einen Kaffee und ein Wasser und dann fuhren wir ins International Olympic Hotel Tehran. Hier hatte ich ein wunderbares Zimmer, und hier würde auch die Konferenz stattfinden. DIE KONFERENZ!?!?! Ich hatte keinerlei Unterlagen oder Informationen wann denn die Konferenz überhaupt anfangen sollte. Mittlerweile war es 5.30 Uhr und ich war hundemüde. Also legte ich mich für 2 Std. hin und fiel in einen erholsamen Schlaf. Um 7.40 Uhr wachte ich auf, machte mir einen Kaffee und überlegte zunächst einmal wer ich war, wo ich war und was ich denn da überhaupt machte.
Das Klingeln des Telefons riss mich aus meinen Gedanken. „Hallo Ulla. Are you ready? The conference is about to start.” Na toll. Da wartete mein größtes Abenteuer auf mich, und ich war noch nicht einmal geduscht!
Nach einer halben Stunde stand ich dann in der Hotel-Lobby, wo ich zum ersten Mal Hadi gegenüber stand. Es war ein Gefühl, als ob wir uns schon Jahre kennen. Er stellte mich einigen der Anwesenden vor, bevor er von einem Mann zur Seite genommen wurde. Als er zu mir zurückkam, sagte er, es tue ihm sehr leid. Was denn? Na ja, ob ich denn einen Mantel dabei hätte. Ja, habe ich. Ob ich denn den Mantel bitte anziehen würde, denn der Hosenanzug sei nicht entsprechend dem Protokoll. Also ging ich schnell in mein Zimmer zurück, zog meinen Mantel an und ging dann mit Hadi zusammen in den Konferenzraum.
Wir setzten uns in die erste Reihe, wo bereits jemand saß. Ein Mann, der sehr beschäftigt an seinem Laptop arbeitete. Hadi stellte ihn mir als Prof. Mark von Rosing vor. Mark kommt aus Dänemark und war einer der Keynotespeaker. Wir verstanden uns auf Anhieb. Als dann die erste Pause kam, gingen wir drei in die Lobby, tranken einen Kaffee und Hadi sagte mir, dass mein Vortrag um 2.00 Uhr sein würde. Eine Dolmetscherin würde um 12.00 Uhr kommen. Sie hatte mein Konzept bereits vorab bekommen und übersetzt und wir hatten dann die Gelegenheit alles noch einmal durchzugehen. Hörte sich gut an.
Um 12.30 Uhr kam sie dann auch und wir besprachen den Vortrag und die Art und Weise wie ich vortragen wollte und wie sie dann übersetzen sollte. Wir vereinbarten, absatzweise vorzugehen, damit der Text nicht zu kurz aber auch nicht zu lang war. Ich hatte einige Änderungen vorgenommen, die ich ihr zeigte und wir erstellten das gesamte Konzept der Rede. Sie wollte alles dann noch einmal alleine durchlesen und ich redete in der Zeit mit Hadi über meine bisherigen Eindrücke usw.
Plötzlich kam jemand durch die Hotelhalle gerannt und rief : „They are waiting for you! They are waiting for you!“ Super – da hatten wir uns doch total verquatscht! Und von nun an ging alles sehr schnell. Wir sprangen auf, sammelten die Dolmetscherin ein und eilten in den Konferenzraum. Dort angekommen, hörte ich wie der Konferenzleiter gerade sagte: „Let’s welcome Mrs. Ulla Knoll!“ Und schon schritt ich in großen Schritten die Treppen hinunter und direkt auf die Bühne und an mein Rednerpult – und war total außer Puste.
Ich holte dreimal tief Luft, ließ meinen Blick durch mein Publikum streifen. Damit verflogen auch meine letzten Zweifel. Ich blickte in die Augen von meinen Zuhörern und sah: Freundlichkeit, ein Lächeln, Erwartung; und stellte fest: Alle hier waren auf meiner Seite! Waren gespannt auf und offen für das, was ich zu sagen hatte.
Ich hatte einen interaktiven Vortrag vorbereitet, was ein bisschen riskant war. Würden denn die Zuhörer mitmachen? Würden sie aufstehen? Würden sie auf meine Fragen eingehen?
Sie waren voll bei der Sache. Alle standen auf, machten mit und hatten Spaß. Ich hatte die volle Aufmerksamkeit. Das war mehr als ich erwartet hatte. Im Laufe meines Vortrages kam ich zu einem kleinen Test, der an alle ausgeteilt worden war. Der Gewinner erhielt ein Buch: Animal Kingdom. Nach einer Stunde war mein Vortrag beendet und unter Applaus ging ich zu meinem Platz zurück. Kaum hatte ich mich gesetzt, stand der „Gewinner“ vor mir mit der Bitte das Buch zu signieren, was ich nur zu gerne tat. Sofort kamen weitere Zuhörer, baten um ein Buch mit Signatur und baten um das Manuskript meiner Rede. Ich war überwältigt.
Am Abend gingen wir, Hadi, Prof. von Rosing und ich, in Teheran zum Essen. Der Verkehr in Teheran stellte alles in den Schatten, was ich bisher erlebt habe; und das ist nicht wenig. Ob Ägypten, Bangkok, Singapur oder Rom – alles ist ein Spaziergang gegen die Rush-Hour auf Teheran’s Straßen.
Wir verbrachten einen wunderschönen Abend bei einem sehr guten, iranischen Essen. Zurück in meinem Hotelzimmer fiel ich in einen tiefen Schlaf nach einem aufregenden Tag.
Prof. von Rosing’s Vortrag war dann am Vormittag des zweiten Konferenztages. Wieder kamen viele der Zuhörer zu uns, um uns Fragen zu stellen oder baten um das Manuskript unserer Vorträge.
Alles in allem war es für mich ein tolles, erfolgreiches Erlebnis, das ich nie und nimmer missen möchte. Ich habe nette Menschen kennen gelernt, neue Freunde gefunden und es hat sich wieder einmal bestätigt: Mach Dir Dein eigenes Bild! Die Eindrücke anderer sind nicht die eigenen und nur das, was ich selbst sehe und erlebe, das ist die Grundlage dessen, wie ich mein Leben gestalte.
Ich freue mich schon heute darauf, wieder in den Iran zu reisen. Ich werde weiterhin die Herausforderungen, die auf mich zukommen, annehmen. Ich werde meine Komfort-Zone weiterhin verlassen. Denn ich weiß: Nur dadurch, dass ich meinen Wohlfühlbereich verlasse, kann ich wachsen.
Gerne beantworte ich Ihre Fragen zu meinem Artikel oder gebe Ihnen weitere Auskünfte.
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